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Zwei Deutsche auf Teneriffa Experten für chinesische Horoskope - Interview mit Roger Keller

Während der Rest der Welt im Augenblick bloß den Sommer im Kopf hat, denken die professionellen Zukunftsdeuter - wie sich's gehört - längst ans Morgen. DANIELA HERZBERG (41) aus Leverkusen und ROGER KELLER (47) aus Gießen, die vor acht Jahren nach Teneriffa ausgewandert sind, haben sich unter Fans einen Ruf als Experten für das chinesische Horoskop erworben. Momentan arbeitet das Autorenduo mit Hochdruck an der neuen Edition 2010, die schon im September 2009 erscheint. Der Autor RENÉ GRALLA hat sich vorab informieren lassen.   

RENÉ GRALLA: Wir sind mitten drin im Jahr des "Erdbüffels" 2009. Kann ich den "Erdbüffel" - oder den "Metalltiger", der 2010 auf uns wartet - am Sternenhimmel entdecken?

ROGER KELLER: Nein! Es handelt sich um Tierkreiszeichen, nicht um Sternbilder.

R.GRALLA: Ach so?! Wenn "Erdbüffel" oder "Metalltiger" gar nichts mit Sternbildern zu tun haben, woraus leiten die chinesischen Astrologen denn dann ihre Symboltiere ab?

R.KELLER: Um die Entstehung der Tierzeichen ranken sich viele Geschichten. Wahrscheinlich haben buddhistische Mönche, die aus Indien nach China kamen, die Tierzeichen eingeführt, um einfach zu verstehende Horoskope für das normale Volk erstellen zu können.

R.GRALLA: Im laufenden Jahr des "Erdbüffels" haben wir gerade den Halbzeitwechsel hinter uns gebracht. Was wird die zweite Spielhälfte bringen?


R.KELLER: Der Büffel wird im allgemeinen als guter und entschlossener Arbeiter angesehen. Er schaut sich die vorhandenen Möglichkeiten an, macht sich einen Plan und legt dann los. Es ist also ein Jahr, in dem die Dinge angepackt werden. Ob das für alle immer richtig und gut ist, bleibt dahin gestellt. Ist der Büffel erst einmal in Bewegung, ist er nicht so leicht zu bremsen. Ein recht anschauliches Beispiel dafür ist die Abwackprämie. Die klingt erst einmal nach einem guten Plan, so dass viele Menschen das Angebot annehmen. Letztendlich verschiebt sich so jedoch das eigentliche Problem nur nach hinten. Das stört den Büffel in diesem Jahr aber nicht: Hat er erst einmal seine Lösung gefunden, wird sie durchgezogen, koste es, was es wolle.

R.GRALLA: Was bedeutet der Zusatz "Erd"-Büffel?

R.KELLER: In der chinesischen Astrologie wird jedem Jahr ein so genannter „himmlischer Stamm“ und ein „irdischer Ast“ zugeordnet, das heißt, ein Tierzeichen mit einem zusätzlichen Element. 2009 enthält der Stamm das Element Erde, und der Ast wird durch den Büffel definiert, folglich ist 2009 das Jahr des "Erd"-Büffel. Jedes Tierzeichen kommt in fünf verschiedenen Ausprägungen vor, die jeweils einem Element zugeordnet sind. Neben Erde sind das Holz, Feuer, Metall und Wasser.

R.GRALLA: Das eigentlich ziemlich irdische Element "Erde" passt zum aktuellen Vorzeigetier der Astrologen, dem Büffel?

R.KELLER: Chinesische Astrologie basiert auf den erwähnten fünf Elementen sowie auf dem Prinzip von Ying und Yang. Der Ursprung der Fünf findet sich in Astronomie und Astrologie und hängt mit den fünf Planeten zusammen, die wir mit bloßem Auge am Nachthimmel beobachten können. Danach wird zum Beispiel der Saturn mit seinem mattgelben Licht dem Element Erde zugeordnet, während die hell glänzende Venus das chinesische Element "Metall" sichtbar verkörpert. Dabei ist allerdings im Zusammenhang mit dem Begriff "Element" zu beachten, dass er ein wenig irreführend ist, weil man chinesische Schriftzeichen eben nur schwer mit einem Wort in westlicher Sprache erfassen und übersetzen kann.

R.GRALLA: Ist es nicht eine stark vereinfachende Betrachtungsweise, ein ganzes Jahr unter ein einziges Tierzeichen zu stellen?

R.KELLER: Das scheint nur auf den ersten Blick so zu sein. Tatsächlich enthält ein chinesisches Horoskop mehrere Säulen mit verschiedenen Kombinationen aus Tierzeichen und den jeweils korrespondierenden Elementen. Neben der tragenden Säule des Jahrestiers werden noch Monats-, Tages- und Stundensäulen analysiert. Außerdem kann eine weitere Säule für den Zeitraum von zehn Jahren berechnet werden, die langfristige Veränderungen innerhalb eines Menschenlebens aufzeigt.

R.GRALLA: Was soll dafür sprechen, dass alle Menschen, die in einem bestimmten Jahr geboren sind, entsprechend dem korrespondierenden Tierzeichen gemeinsame Merkmale aufweisen?

R.KELLER: Bestimmte Merkmale sind tatsächlich bei allen Menschen, die in einem Jahr geboren werden, vorhanden. Letztendlich hängt aber die Ausprägung im Einzelfall von der Gesamtkonstellation ab, und die wird, wie erwähnt, von verschiedenen Säulen determiniert. So ergibt sich für jede Person ein völlig individuelles Bild. Wir hatten noch nie zwei gleiche Horoskope – und das bei einigen tausend Horoskopen, die wir bislang berechnet haben!

R.GRALLA: Sie, Herr Keller, und Ihre Co-Autorin Frau Herzberg sind keine gebürtigen Chinesen. Und trotzdem beschäftigen Sie sich intensiv mit chinesischen Horoskopen. Wie das?   

R.KELLER: Astrologie fand ich früher nicht besonders spannend, hielt die eher für Hokuspokus. Aber als wir angefangen haben, in die Lehren des Feng Shui einzusteigen, sind wir auch mit chinesischer Astrologie in Berührung gekommen. Anfangs bin ich dem mit ziemlichen Vorbehalten begegnet, und hätte mir jemand erzählt, dass ich später selber mal chinesische Horoskope abfassen würde, hätte ich den Betreffenden für verrückt erklärt. Nachdem wir jedoch die ersten eigenen Horoskope berechnet hatten und die Treffsicherheit der Aussagen sehr hoch war, fing die Astrologie an, uns in ihren Bann zu ziehen.

R.GRALLA: Woher beziehen Sie Ihre Informationen?


R.KELLER: Aus unserer Erfahrung. Das ist das ganze Geheimnis hinter der chinesischen Astrologie: Es ist eine Erfahrungswissenschaft. Sie müssen das gelernte Grundwissen einfach permanent anwenden.

R.GRALLA: Auf Teneriffa, Ihrer Wahlheimat, scheint der Sternenhimmel besonders nah. Jeden Abend ist das wohl ein zusätzlicher Motivationsschub für den suchenden Blick nach oben.

R.KELLER: Ja, wir haben unseren Traum verwirktlicht und eine Finca gekauft, die außerhalb eines Dorfes liegt und mittlerweile bio-zertifiziert ist. Das bedeutet wenig künstliches Licht, und so erhalten die Sterne automatisch mehr Bedeutung. Wir wissen immer, welche Mondphase gerade ist, wo die Planeten stehen und welche Sternbilder am Himmel zu sehen sind. Das hilft uns natürlich auch bei unserer Arbeit.

R.GRALLA: Sie haben sich ausgerechnet auf das chinesische Horoskop spezialisiert. Sollten Sie nicht lieber in Asien leben?!

R.KELLER: Da wären wir sicher fehl am Platze. Es gibt genug Spezialisten in China, so dass man dort auf uns „Langnasen“ locker verzichten kann.

R.GRALLA: Auf der einen Seite sind Chinesen Rationalisten durch und durch. Andernfalls wären sie wohl keine derart cleveren Geschäftsleute und begnadeten Tüftler, schließlich haben sie unter anderem das sprichwörtliche Schießpulver erfunden. Andererseits sind auch moderne Chinesen beinahe fixiert auf Astrologie. Bitte erklären Sie uns diesen Widerspruch.

R.KELLER: Das hat sicher viel mit der Tradition zu tun. Es war einfach immer schon üblich, bei wichtigen Fragen die chinesische Astrologie zu Rate zu ziehen, das gehört zum täglichen Leben dazu. Für viele Chinesen ist es nun mal wichtig, den richtigen Zeitpunkt für bestimmte Aktivitäten über die Astrologie bestimmen zu lassen. Übrigens wird es Sie überraschen, wie viele Geschäftsleute im Westen das mittlerweile auch tun.

R.GRALLA: Was ist also dran am chinesischen Horoskop?


R.KELLER: Das chinesische Horoskop gibt Aufschluss über die Grundkonstellation eines Menschen nach den fünf Elementen. Daraus lassen sich seine Stärken und Schwächen erkennen, sowohl auf körperlicher als auch auf mentaler Ebene. Diese Informationen können Sie nutzen, um dem Menschen zu helfen, sein persönliches Gleichgewicht zu finden.

R.GRALLA: Welche Tierkreiszeichen kommen im momentanen Jahr des Erdbüffels besonders gut weg?

R.KELLER: Das sind Ratte, Hahn und Schlange.

R.GRALLA: Das Jahr des Erdbüffels endet erst weit nach Silvester 2009. Noch so eine Eigenwilligkeit der Chinesen ...

R.KELLER: ... das Kalendersystem der Chinesen ist etwas komplexer als unseres. Im Alltag nutzen die Chinesen den Mondkalender. 12 Mondumläufe ergeben ein Jahr, und das Neujahrsfest findet immer am zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende statt. Wer jetzt nachrechnet, stellt sofort fest, dass 12 Mondumläufe keine 365 Tage haben. Als Konsequenz werden innerhalb von 19 Jahren sieben so genannte Schaltmonate eingefügt, um die fehlenden Tage auszugleichen. Das Jahr hat dann 13 Mondmonate. Für astrologische und astronomische Berechnungen ist das Mondjahr der Chinesen nicht zu gebrauchen, und deshalb gibt es dafür einen Sonnenkalender, der das Jahr in 12 gleich lange Sonnenmonate einteilt. Dieser Kalender ist auf die Sekunde genau und wird unter anderem für die chinesische Astrologie und für die Erstellung der Horoskope genutzt. Das chinesische Sonnenjahr fängt in der Regel um den 4. Februar an – so auch 2010. Das chinesisch Neujahrsfest fällt 2010 allerdings erst auf den 14. Februar.

R.GRALLA: 2010 wird dominiert vom "Metalltiger". Ich selber bin geboren als "ma", das Pferd, und dessen Perspektiven haben in den vergangenen Jahren nicht wirklich gut ausgesehen. Darf ich für 2010 endlich hoffen?

R.KELLER: Sie dürfen hoffen. Der Tiger versteht sich blendend mit Ihrem Pferd. Desgleichen Hund und Hase.